VDI (Verein Deutscher Ingenieure)/GVSS (Gesamtverband Schadstoffsanierung) Richtlinie 6202

Blatt 1: Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen/Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten; Stand: Oktober 2013

(zu beziehen beim Beuth Verlag GmbH, 10772 Berlin)

Aus dem Inhalt:

„1 Anwendungsbereich

Die Richtlinie gilt für den Umgang mit Schadstoffen bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten in baulichen und technischen Anlagen. Sie gilt für das Entfernen, Beschichten und räumliche Trennen von Schadstoffen sowie die Bereitstellung und Übergabe der hierbei anfallenden Abfälle zur Entsorgung. ( … ) In dieser VDI-Richtlinie werden die wesentlichen Aspekte für den Ablauf der Schadstoffsanierung – von der Erhebung bis zur Entsorgung – dargelegt.“

( … )

7 Planung und Ausführung

7.1 Bestandsaufnahme und Erstbewertung

7.2 Technische Erkundung (… Schadstoffkataster)

7.3 Sanierungsplanung (… Sanierungs- und Entsorgungskonzept)

7.4 Ausführungsvorbereitung (... Leistungsbeschreibung)

7.5 Sanierungsüberwachung

7.6 Dokumentation

7.7 Ausführung (… Sanierungsdurchführung und Schadstoffsanierungsverfahren)

8 Nebenleistungen – Besondere Leistungen

9 Abrechnung

Hinweis: ATV DIN 18448 – VOB Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – „Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen“ ist in Vorbereitung und wird voraussichtlich in der nächsten Ausgabe der VOB enthalten sein.

 

Grenzwerte für Schadstoffbelastungen

Asbest

Richtwerte/Grenzwerte für Innenräume

Einstufung

  • asbestfrei = 0,008 %
  • Gefahrstoff: = 0,1 %
  • schwach gebundenes Material: = 1 t/m3
  • Einstufung nach dem Faserverhalten: > 1 und < 1,4 t/m3
  • fest gebundenes Material: = 1,4 t/m3

Richtwert für Innenräume: 0 Fasern pro m3

Grenzwerte Nutzerschutz:

  • < 500 Fasern pro m3 (Messwert) sowie 1.000 Fasern pro m3 als statistisch berechnete obere Grenze des 95-%-Vertrauensbereichs (nach einer Sanierung)
  • < 1.000 Fasern pro m3 (während einer Sanierung zum Schutz Dritter)

Grenzwerte Arbeitsschutz:

  • < 10.000 Fasern pro m3: „Arbeiten mit geringer Exposition“
  • < 100.000 Fasern pro m3: „Arbeiten geringen Umfangs“
  • > 100.000 Fasern pro m3: „umfangreiche Arbeiten“

Risikobewertung und Feststellung der Sanierungsdringlichkeit

  • Materialuntersuchungen
  • Staubuntersuchungen
  • Gehaltsbestimmungen zur Differenzierung, ob als Gefahrstoff einzustufen bzw. ob fest oder schwach gebunden
  • Bewertung nach der Punkteliste der Asbest-Richtlinie (Nutzerschutz)

Regelwerke:
Asbest-Richtlinie Richtlinie für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden (Asbest-Richtlinie) (1996-01)
ChemVerbotsV Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz (Chemikalien-Verbotsverordnung – ChemVerbotsV) v. 13.06.2003, Bundesgesetzblatt I, Nr. 26, 25.06.2003, S. 867
GefStoffV Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung – GefStoffV) v. 26.11.2010, Bundesgesetzblatt I, Nr. 59, 30.11.2010, S. 1643
REACH-VO, Anhang XVII Verordnung (EG) Nr. 552/2009 v. 22.06.2009
TRGS 517 TRGS 517 Technische Regeln für Gefahrstoffe – Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen (2007-01), zuletzt geändert und ergänzt: GMBl. Nr. 28, 02.07.2009, S. 606–608, Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), Geschäftsführung: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund
TRGS 519 TRGS 519 Technische Regeln für Gefahrstoffe – Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (2014-01), Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), Geschäftsführung: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund

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Künstliche Mineralfasern (KMF)

Richtwerte/Grenzwerte für Innenräume

Zwiener, 1997 (Empfehlungen):

  • < 500 Produktfasern pro m3: nicht erhöht bis geringfügig erhöht; kein Handlungsbedarf
  • 500–1.000 Produktfasern pro m3: mäßig erhöht; Prüfung weiterer Maßnahmen oder Durchführung von Minderungsmaßnahmen
  • > 1.000 Produktfasern pro m3: deutlich erhöht; Prüfung und ggf. Beseitigung von Mängeln (Sanierung)

Risikobewertung und Feststellung der Sanierungsdringlichkeit

  • Materialuntersuchungen mit Bestimmung des Vorhandenseins von WHO-Fasern und ggf. Bestimmung des Kanzerogenitätsindexes
  • Beurteilung des Einbauzustands
  • ggf. Raumluftmessungen

Regelwerke und Literatur:
DGUV Regel 101-004 DGUV Regel 101-004 (bisher BGR 128) Berufsgenossenschaftliche Regel für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Kontaminierte Bereiche (1997-04), aktual. Fassung Februar 2006, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Fachausschuss „Tiefbau“ der BGZ
GefStoffV Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung – GefStoffV) v. 26.11.2010, Bundesgesetzblatt I, Nr. 59, 30.11.2010, S. 1643
TRGS 521 TRGS 521 Technische Regeln für Gefahrstoffe – Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit alter Mineralwolle (2008-02), Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), Geschäftsführung: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund
TRGS 524 TRGS 524 Technische Regeln für Gefahrstoffe – Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen (2010-02), Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), Geschäftsführung: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund
TRGS 558 TRGS 558 Technische Regeln für Gefahrstoffe – Tätigkeiten mit Hochtemperaturwolle (2010-06), Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS), Geschäftsführung: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund
Zwiener, 1997 Zwiener, Gerd: Handbuch Gebäude-Schadstoffe für Architekten, Sachverständige und Behörden. Köln: Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, 1997

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Richtwerte/Grenzwerte für Innenräume

Ad-hoc-AG, 2013:

  • Richtwert I: 10 µg Naphthalin und Naphthalin-ähnliche Verbindungen pro m3
  • Richtwert II: 30 µg Naphthalin und Naphthalin-ähnliche Verbindungen pro m3

Bewertung der gesamten PAK-Konzentration nach Toxizitätsäquivalenten

  • expositionsmindernde Maßnahmen in Wohnungen empfohlen, wenn > 1 mg Benzo[a]pyren pro kg Frischstaub oder > 20 mg PAK pro kg Frischstaub
  • Hausstaubuntersuchungen
  • Raumluftmessungen
  • Wischproben nach Brandschäden

Risikobewertung und Feststellung der Sanierungsdringlichkeit

  • Hausstaubuntersuchungen
  • Raumluftmessungen
  • Wischproben nach Brandschäden

Regelwerke und Literatur:
Ad-hoc-AG, 2013 Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Kommission Innenraumlufthygiene und der Obersten Landesgesundheitsbehörden: Richtwerte für Naphthalin und Naphthalinähnliche Verbindungen in der Innenraumluft. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 56 (2013), Nr. 10, S. 1448–1459
DGUV Regel 101-004 DGUV Regel 101-004 (bisher BGR 128) Berufsgenossenschaftliche Regel für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Kontaminierte Bereiche (1997-04), aktual. Fassung Februar 2006, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Fachausschuss „Tiefbau“ der BGZ
GefStoffV Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung – GefStoffV) v. 26.11.2010, Bundesgesetzblatt I, Nr. 59, 30.11.2010, S. 1643

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Richtwerte/Grenzwerte

PCB-Richtlinien 1993, 1994 [geändert 2010], 1996:

  • Vorsorgewert/Sanierungszielwert: 300 ng/m3
  • Interventionswert: 3.000 ng/m3

Ad-hoc-AG IRK, 2007:

  • Bei Anstrichen mit hochchlorierten PCB sind bei > 1.000 ng/m3 und gleichzeitig > 10 ng PCB 118 pro m3 umgehend expositionsmindernde Maßnahmen zu ergreifen.

PCBAbfallV:

  • Einstufung als gefährlicher Abfall: 50 mg/kg

Risikobewertung und Feststellung der Sanierungsdringlichkeit

  • Raumluftmessungen

Regelwerke und Literatur:
Ad-hoc-AG IRK, 2007 Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes und der obersten Landesgesundheitsbehörden: Gesundheitliche Bewertung dioxinähnlicher polychlorierter Biphenyle in der Innenraumluft. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 50 (2007), Nr. 11, S. 1455–1466
DGUV Regel 101-004 DGUV Regel 101-004 (bisher BGR 128) Berufsgenossenschaftliche Regel für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Kontaminierte Bereiche (1997-04), aktual. Fassung Februar 2006, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Fachausschuss „Tiefbau“ der BGZ
GefStoffV Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung – GefStoffV) v. 26.11.2010, Bundesgesetzblatt I, Nr. 59, 30.11.2010, S. 1643
PCBAbfallV Verordnung über die Entsorgung polychlorierter Biphenyle, polychlorierter Terphenyle sowie halogenierter Monomethyldiphenylmethane (PCB/PCT-Abfallverordnung – PCBAbfallV) v. 26.06.2000, Bundesgesetzblatt I, Nr. 28, 29.06.2000, S. 932
PCB-Richtlinie 1993 Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCB-Richtlinie). Erlass des Ministeriums für Landesentwicklung, Wohnen, Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz v. 25.10.1993, Staatsanzeiger für das Land Hessen, Nr. 47, 22.11.1993, S. 2848
PCB-Richtlinie 1994 Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCB-Richtlinie), Fassung September 1994 [online]. Projektgruppe „Schadstoffe“ der Fachkommission Baunormung der Arbeitsgemeinschaft der für das Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen zuständigen Minister der Länder (ARGEBAU), 1994. Internet: http://www.bgbau-medien.de/html/bau/pcb_rl.pdf [Zugriff: 20.03.2014], geändert in der Musterliste der Technischen Baubestimmungen – Fassung September 2010, Anlage 6.1/1, S. 37 [online]. Konferenz der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder (Bauministerkonferenz), 2010. Internet:www.bauministerkonferenz.de/Dokumente/42313483.pdf [Zugriff: 20.03.2014]
PCB-Richtlinie 1996 Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCBRichtlinie NRW), Fassung Juni 1996. Runderlaß des Ministeriums für Bauen und Wohnen v. 03.07.1996 (II B4-476.101), Ministerialblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Nr. 52, 09.08.1996, S. 1260

Pentachlorphenol (PCP)

Richtwerte/Grenzwerte für Innenräume

PCP-Richtlinie:

  • Interventionswert in Wohnungen, Kindertagesstätten u. Ä.: 1 µg/m3, wenn > 70 µg PCP pro l Blut (Serum) oder > 40 µg PCP pro l Urin
  • Interventionswert in sonstigen Aufenthaltsräumen: 1 µg/m3
  • Vorsorgewert/Sanierungszielwert: 0,1 µg/m3

Ad-hoc-AG IRK, 1997:

  • Richtwert I: 0,1 µg/m3
  • Richtwert II: 1 µg/m3

Risikobewertung und Feststellung der Sanierungsdringlichkeit

  • Raumluftmessungen
  • Staubuntersuchungen
  • Materialuntersuchungen
  • Human-Biomonitoring

Regelwerke und Literatur:
Ad-hoc-AG IRK, 1997 Ad-hoc-Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) des Umweltbundesamtes und des Ausschusses für Umwelthygiene (AUH) der Leitenden Medizinalbeamtinnen und -beamten der Länder (AGLMB): Richtwerte für die Innenraumluft: Pentachlorphenol. In: Bundesgesundheitsblatt 40 (1997), Nr. 7, S. 234–236
DGUV Regel 101-004 DGUV Regel 101-004 (bisher BGR 128) Berufsgenossenschaftliche Regel für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Kontaminierte Bereiche (1997-04), aktual. Fassung Februar 2006, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Fachausschuss „Tiefbau“ der BGZ
GefStoffV Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung – GefStoffV) v. 26.11.2010, Bundesgesetzblatt I, Nr. 59, 30.11.2010, S. 1643
PCP-Richtlinie Richtlinie für die Bewertung und Sanierung Pentachlorphenol (PCP)-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden, Fassung Oktober 1996 [online]. Projektgruppe „Schadstoffe“ der Fachkommission Baunormung der Arbeitsgemeinschaft der für das Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen zuständigen Minister der Länder (ARGEBAU), 1996. Internet: http://www.gewerbeaufsicht.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16493/6_3.pdf [Zugriff: 21.04.2009]