Die Fachzeitschrift Gebäudeschadstoffe und Innenraumluft enthält Handlungshilfen für alle Baubeteiligten zu Bewertung, Beseitigung und Vermeidung von Schadstoffen in Gebäuden und in der Innenraumluft. Sie bietet aktuelle Fakten von Experten und informiert damit fundiert und exklusiv zu Gesundheitsgefährdung von Gebäudenutzern sowie Bauausführenden.

Die Ausgabe 1.2016 hat „Asbest in bauchemischen Produkten“ als inhaltlichen Schwerpunkt.Das Thema „Asbest in Spachtelmassen, Putzen und Fliesenklebern“ wurde lange unterschätzt, sodass akut konstruktiver Handlungsbedarf vor allem bei der Aktualisierung der Regelungen zum baurechtlichen Nutzerschutz und zum Arbeitnehmerschutz besteht.

Die Ausgabe 1.2017 „Emissionen aus Bauprodukten“ mit den inhaltlichen Schwerpunkten VOC-, TVOC- und Formaldehydemissionen greift aktuell das EuGH-Urteil von 2014 auf, das deutsche zusätzliche gesundheitsbezogene Zulassungskriterien bei Bauprodukten als Widerspruch zum europäischen Handelsrecht sieht.

Die Übersicht der gesamten Inhalte der bisher erschienen Ausgaben finden Sie unter „Fachzeitschrift“ auf dieser Seite.

Hier können Sie sich das Thema Ihrer Wahl als Einzelartikel aussuchen und downloaden:

Kurzzeitig erhöhte Exposition von Heimwerkern gegenüber Asbest

Ansätze zur gesundheitlichen Bewertung

DR. RER. NAT. HELMUT SAGUNSKI

Insbesondere in den 1960er- und 1970er-Jahren wurde Bauprodukten wie Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern in geringen Mengen häufig vor allem Chrysotilasbest zugesetzt. Da dies bis vor Kurzem weitgehend unbekannt war, besteht die Möglichkeit, dass bei Do-it-yourself-Arbeiten Asbestfasern freigesetzt und von Heimwerkern eingeatmet wurden. Um abzuschätzen, ob es dabei zu einer gesundheitlichen Gefährdung gekommen sein könnte, werden als unterschiedliche Expositionsszenarien das Bohren von Löchern, das Abschlagen von Wandfliesen und das Abschleifen einer Wand geprüft. Die bei diesen Tätigkeiten möglichen Expositionen werden mit der in Deutschland unvermeidbaren Aufnahme von Asbest aus der Luft in der ländlichen bzw. städtischen Umwelt verglichen. Danach stellen die kurzzeitig erhöhten Expositionen unter den zugrunde gelegten Annahmen kein nennenswertes zusätzliches Krebsrisiko dar.

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Asbest in Spachtelmassen

Handlungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Rechtsbereichen

SVEN LEISTIKOW, RECHTSANWALT, BERLIN

Die Rechtsprechungsentwicklung im Zivilrecht folgt nicht der ordnungsrechtlichen Grenzwertbetrachtung, sondern stellt potenzielle Gefährdungen in den Mittelpunkt und setzt damit neue Akzente. Zwar bestehen laut Bauordnung auch ordnungsrechtliche Eingriffsmöglichkeiten, doch kommen diese in der Regel nur zögerlich zur Anwendung. Das juristische Instrumentarium in Sachen Gefahrstoff Asbest benötigt dringend einer Harmonisierung der einzelnen Gesetze und der je nach Regelungsbereich unterschiedlichen Rechtsauffassungen. Während sich der Gesetzgeber hier zurückhält, schreitet jedoch überall dort, wo Gerichte entscheiden, die Entwicklung zügig voran. Für den Schutz der Bevölkerung und für Transparenz beim Eigentumswechsel im Immobilienbereich wären jedoch dringend Regelungen für ein allgemeines deutsches Asbestkataster notwendig. In einem Blick nach Frankreich wird dargestellt, wie eine Lösung dieser Aufgabe aussehen kann.

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VOC- und Formaldehyd-Emissionen aus Möbeln

Pläne zur Kennzeichnung der Emissionsklasse von Möbeln in Frankreich

MANFRED BRÄUER

Die deutsche Möbelindustrie wird von Nachrichten aus Frankreich beunruhigt. 2015 wurde dort der Entwurf eines Dekrets für Label zur Kennzeichnung von Möbeln hinsichtlich ihrer VOC- und Formaldehyd-Emissionen vorgelegt, der sich an in Frankreich bereits bestehende Vorgaben für Bauprodukte anlehnte. Er enthielt auch im Vergleich zu deutschen Regelungen Verschärfungen gegenüber den bestehenden Standards, insbesondere sah er praktisch nicht einhaltbare Formaldehyd-Grenzwerte vor.

In einem zweiten, geänderten Entwurf vom 18. Januar 2017 wurden die im Entwurf von 2015 enthaltenen VOC-Grenzwerte für einzelne Stoffe und der TVOC-Grenzwert gestrichen, die Formaldehyd-Grenzwerte hingegen unverändert beibehalten.

Die Verunsicherung der deutschen Industrie ist auch in Bezug auf die rechtliche Situation innerhalb der EU daher groß. Sie hofft, dass sich alle Label in Europa unabhängig von möglicherweise bestehenden unterschiedlichen Grenzwerten zumindest auf gemeinsame Prüfbedingungen einigen.

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Mindeststandards für Bauprodukte: gesundheitliche Bewertung und rechtliche Regelungen

OUTI ILVONEN, M. SC., LIC. RER. REG.,
DR. RER. NAT. WOLFGANG PLEHN

Die im Jahr 2004 von den Bundesländern über das Bauordnungsrecht eingeführten verbindlichen Mindeststandards für Emissionen aus Bauprodukten haben für gut 10 Jahre das Entstehen einer Vielzahl möglicher Probleme der Innenraumluftqualität verhindert. Seit Herbst 2016 sind die bisherigen Regelungen aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs von 2014 zu nationalen Nachweisen bei CE-gekennzeichneten Produkten jedoch nicht mehr gültig. Das Ziel der meisten Akteure ist, die hohen Mindeststandards für Bauprodukte im Spannungsfeld mit dem EU-Recht so zu bewahren, dass Quellen für gesundheitsschädliche Emissionen sich nicht erst im fertigen Gebäude zeigen, wenn der Schaden bereits entstanden ist.

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